Prag – Reisebericht

Prag – Reisebericht

Prag – ein wunderschönes Mosaik

„Dies Mütterchen hat Krallen“, schrieb Franz Kafka über seine Heimatstadt, die er zeitlebens verlassen wollte, die ihn aber nie aus ihren Fängen ließ. Auch der rasende Reporter Egon Erwin Kisch, der Europa im zweiten Weltkrieg den Rücken kehrte, sagte: „ Ich habe Prag nie verlassen, so intensiv ich mich davon entferne, so intensiv ich auch in allen fünf Weltteilen lebte.“

Dobry den – wir starten mit dem Besuch des Gemeindehauses und verköstigen ein gutes Stück Kuchen im dortigen Café. In dieser Schatzkammer des Jugendstils verlieren sich unsere Blicke immer wieder an den Wänden und Decken. Hübsche Ornamente, kunstvolle Details, Pflanzendarstellungen und das wiederkehrende Thema der Jugend lassen unsere Herzen höher schlagen. Dass sich hier im Konzertsaal das Prager Symphonieorchester angesiedelt hat, wundert mich nicht. Ich schmelze schon jetzt beim Gedanken an ein Konzert von Smetana dahin – die Moldau in Noten, oh ja, mein Wunsch für den nächsten Besuch in Prag. Man muss ja Träume haben.

Auf unserem Weg zum Altstädter Ring eröffnet sich uns ein riesiges, lebendiges Architekturmuseum und wir kommen aus dem Staunen gar nicht heraus. Prachtbauten des Jugendstils, der Gotik, der Renaissance vermischen sich mit Barock und Kubismus – ein herrliches Schaufenster. Die Highlights der Stadt findet man auf dem Weg vom Pulverturm zur Burg wie von selbst. Treffpunkt von Menschen aus aller Welt und das Herz der Prager Altstadt ist der Altstädter Ring. Im 11./12. Jhd. als Marktplatz angelegt und als wichtigste Station der böhmischen Könige auf ihrem traditionellen Krönungsweg zum Hradschin, fühlen auch wir uns „königlich“. Die Teynkirche, die Astronomische Uhr, das Rathaus…einfach unbeschreiblich schön. Der böhmische Dichter Hugo Salus hat es treffend formuliert: „Es gibt wenige Plätze der Erde, die sich an Schönheit mit dem Altstädter Ring in Prag messen können.“

Eine der ältesten noch erhaltenen Synagogen Europas ist die Altneusynagoge – das älteste Denkmal des jüdischen Viertels in Prag. Auf dem nahe gelegenen Jüdischen Friedhof liegt Franz Kafka begraben. Nun geht’s Richtung Moldau. Hier vom Moldau-Ufer der Altstadt aus betrachtet wirkt der Prager Burgkomplex überwältigend. Aber erst als wir über die vielen Treppenstufen nach oben gelangen, sehen wir die Ausmaße der Anlage des Hradschin mit Kirchen, Palästen, Türmen, Aussichtsplattformen und dem sagenumwobenen Gemäuer. Die Abenddämmerung taucht das Ensemble in ein ganz besonderes, einzigartiges Licht – wenn Steine erzählen könnten….Was hat diese Burg nicht alles gesehen! Kaiser und Könige, Havel und Obama, die Ereignisse der letzten über 1000 Jahre vom Mittelalter bis zur Gegenwart.

Nun gut, das hellblaue Hexenhäuschen mit der Nr. 22 im Goldenen Gässchen muss ich sehen. Hier arbeitete Franz Kafka an bedeutenden Prosatexten wie „Ein Landarzt“ und „Eine kaiserliche Botschaft“. Die letzten Bewohner verließen das Goldene Gässchen erst in den 1950er Jahren. Heute ist es eine Museumsgasse mit Souvenirläden, Cafés und nachgestellten Ateliers. Das älteste Kloster Tschechiens, das Klaster Brenov, bereits 993 gegründet, liegt 15 Minuten von der Prager Burg entfernt. Die Benediktiner dieses Klosters waren vermutlich die Ersten, die in Böhmen Bier während der Fastenzeit als Ersatz für Brot und Fleisch brauten. Also dann – Na zdraví! Wie schön es aussieht! Golden, perlend und mit herrlich weißer Schaumkrone. Und wie es schmeckt, das tschechische Bier – einfach köstlich. Bei unserer geführten Kneipentour lernen wir vier verschiedene Biersorten der rund 500 kennen. Das berühmteste und älteste Beispiel einer Kleinbrauerei ist das Neustädter U Fleku aus dem 15. Jahrhundert.

Für Musikfans bietet Prag geradezu großartige Bühnen in den prachtvollen Gebäuden und Kirchen. Also halten Sie sich für ein Konzert unbedingt ein Zeitfenster frei. Eine Teilnehmerin unserer Gruppe war in der Teynkirche zum klassischen Konzert der Prager Philharmonie inklusive „The Moldau“ von Smetana….sie schwärmte von diesem einmaligen Musikerlebnis in dieser ganz besonderen Atmosphäre. Auch kulinarisch hat die Stadt so einiges zu bieten, daher bitte auf gar keinen Fall versäumen: „Trdelník“. Ich bin jedoch sicher, der Duft dieses leckeren Zimtgebäcks wird Sie immer wieder an die Stände der Bäcker locken. Nur ein Denkmal für Wenzel wäre in Prag natürlich viel zu wenig. Wenzel übernahm 921 die Regierungsgeschäfte als Herzog von Böhmen. Schauen Sie sich also nicht nur die Statue des Königs auf dem Wenzelsplatz an. Eine für manche Prager geradezu respektlose Persiflage bestaunen wir in der Lucerna-Passage. Dort sitzt Wenzel auf einem toten Pferd, das von der Decke hängt. Der „Wenzelsritt“ ist ein Werk des Provokateurs David Cerný.

Als Tom Cruise 1996 in „Mission Impossible“ als Geheimagent Ethan Hunt über die Karlsbrücke rannte, war sie natürlich abgesperrt für die Dreharbeiten. Für uns leider nicht… zugegebenermaßen mussten wir uns eher an Scharen von Menschen vorbeidrängeln. Und dennoch, ein absolutes Muss! Ein echter Hingucker sind die 30 markanten Heiligen Figuren, hauptsächlich in der Barockzeit entstanden, in Verbindung mit der streng gotischen Brückenarchitektur – bei strahlend blauem Himmel – ein fantastisches Bild. Wo ist der Heilige Johannes von Nepomuk? Ich muss ihn berühren…Der Brückenheilige wird sich sicher glücklich schätzen, von so vielen netten Menschen „gestreichelt“ zu werden. Denn schließlich soll Anfassen Glück bringen. Vier wundervolle Tage neigen sich dem Ende, ich freue mich schon jetzt auf einen weiteren Besuch, denn es gibt noch so viele Highlights zu entdecken …

Ihre/Eure Beate Neitzert

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